Teamwork für Mental Health: 3 Tipps, um jetzt psychische Gesundheit im Team zu fördern

‘Hauptsache wir sind gesund!’ und ‘Hauptsache, wir haben uns!’

Vor dem Krisenjahr 2020 mögen diese Sätze wie abgedroschene Plattitüden geklungen haben – heute, mit ein paar Monaten Hygienevorschriften, zweieinhalb Lockdowns und einer Vielzahl an schlechten Nachrichten im Rückspiegel, sieht das für viele von uns anders aus. Die im Alltag so häufig als selbstverständlich angenommenen ‘Minimalstandards’ Gesundheit und soziale Verbundenheit avancierten in der Pandemie wieder zu echten Werten und bildeten einen bescheidenen Konsens, auf den sich (na gut, bis auf einige Ausnahmen…) alle irgendwie einigen konnten.

Und auch das Bewusstsein über die wechselseitige Beeinflussung von Gesundheit und sozialer Verbundenheit wuchs bei vielen von uns: Einerseits isolierten wir uns, um physisch gesund zu bleiben. Andererseits fühlten viele, wie die soziale Distanz ihrer Psyche zu schaffen machte. Mit der Zeit stiegen nicht nur die Infektionszahlen – auch die Zahl derer, die sich durch soziale Distanz, erschwerte Kommunikation und mangelnde Nähe psychisch belastet fühlten, wuchs mit den Monaten in besorgniserregendem Ausmaß.

Soziale Gesundheit im Fokus

Was uns in den letzten Monaten klar geworden sein sollte: Gesundheit ist keine „One (Wo)man Show“. Damit Menschen gesund werden und gesund bleiben, ist mehr nötig als eine erfolgreiche medizinische Behandlung, eine funktionierende Psychotherapie oder eine disziplinierte Morgenroutine. Unsere sozialen Beziehungen sind ein maßgeblicher Faktor, wenn es darum geht, wie wohl wir uns fühlen und ob wir gesund bleiben – oder nicht. Und unsere individuelle Gesundheit hängt auch davon ab, wie gut wir uns in eine soziale Gemeinschaft eingebunden und dort abgesichert fühlen. Sie ist mehr als der ruhige Langstreckenlauf durch den Wald, die stille Meditation, ganz für sich allein. Mindestens genauso sehr ist sie ein Teamsport, in dem wir alle unseren Beitrag leisten.

Was Teams mit unserer Psyche machen

Bemerkbar macht sich dieser Umstand natürlich auch dort, wo wir tagtäglich mehrere Stunden mit anderen Menschen zusammenarbeiten und kooperieren – auf der Arbeit und, im Speziellen, in unserem Team. Dort, wo verschiedene Persönlichkeiten, Präferenzen, Arbeitsmodi und Gemütszustände aufeinandertreffen, entsteht zwangsläufig eine Kultur, eine Art Nährboden dafür, wie wir uns fühlen.

Die Forschungslage zum Einfluss von Teamstruktur und Teamarbeit auf mentale Gesundheit ist zwar noch vergleichsweise überschaubar, da Teamarbeitsforscher:innen sich lange vorwiegend mit dem Thema Leistung und Innovation und nur am Rande mit dem Thema Gesundheit beschäftigen. Bestehende Studien zeigen jedoch, dass die Art, wie wir im Team arbeiten, kommunizieren und kooperieren, einen nicht unwesentlichen Einfluss auf unser mentales Wohlbefinden, unser Stressempfinden und unsere Gesundheit hat. Teams sind soziale Systeme, die sich je nach Berufsfeld, Arbeitsaufgabe und Organisationsform stark voneinander unterscheiden können – die aber alle mit spezifischen Stärken (oder auch ‘Teamressourcen’) und Schwächen (oder auch ‘Teamstressoren’) ausgestattet sind. Im Kontext moderner Organisationen gewinnen sie aktuellen Analysen zufolge immer mehr an Bedeutung, da sie flexibel auf Veränderungen reagieren können.

Gesundheits-Kraftzelle Team

Zu den Teamressourcen, die bedeutsam für Wohlbefinden und (mentale) Gesundheit sind, zählen zum Beispiel ein guter Zusammenhalt im Team, aber auch gemeinsame Verantwortungsübernahme und Zielorientierung. Entscheidend für unsere Psyche ist auch, ob wir im Team Konflikte konstruktiv austragen und selbstständig lösen können und ob gleichberechtigte Diskussionen und Entscheidungen möglich sind. Und dann ist da noch der nicht zu unterschätzende Faktor Teamklima: Ein Team, in dem wir uns sicher genug fühlen, unsere Ideen einzubringen und auch ‘negative’ Gedanken und Gefühle zu äußern, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen, wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. Studien zeigen: Je besser diese Faktoren erfüllt sind und die Teamarbeit gestaltet ist, desto seltener geben Teammitglieder an, unter psychosomatischen Beschwerden zu leiden.

Auch das noch: Kolleg:innen!

Und was ist mit den Teamstressoren? Nun, wer sich schon einmal in einem zu dünn besetzten Team die To Do’s hin- und hergeworfen hat wie heiße Kartoffeln, hat erlebt, was auch die Forschung bestätigt: Unterbesetzung im Team ist ein Stressor, der das individuelle Wohlbefinden deutlich schmälern kann. Aber auch die Qualität der Arbeitsgestaltung, also die Frage danach, wie gut die Zusammenarbeit im Team organisiert ist, kann psychosomatische Beschwerden verstärken oder hervorrufen. Werden wir zum Beispiel in Deepwork-Phasen ständig von Kolleg:innen unterbrochen, steigt unser Stresspegel. Natürlich können auch mangelnde Kommunikations- und Kooperationskompetenzen im Team die Laune drücken: Feindseligkeit und Diskriminierung sind – wen wundert’s – echte Stimmungskiller. Noch dazu kann das Stressempfinden im Team ansteckend sein, denn Kolleg:innen passen sich in Laune und Arbeitsengagement nicht selten aneinander an – und sogar das Burnout-Risiko im Team steigt, wenn ein Teammitglied betroffen ist.

So oder so: Teams haben die Kraft, individuelle Stimmungslagen und – on the long run – auch unsere mentale Gesundheit zu beeinflussen. Damit schlummert in ihnen (häufig leider noch ungenutztes) Potenzial, um arbeitsbedingten Stress zu reduzieren und mentale Gesundheit in der Organisation zu fördern.

Die Kraft des Teams nutzen

Aber was genau lässt sich nun tun, um die Kraft des Teams dafür zu nutzen, dass es dem/der Einzelnen gut geht? Dafür lohnt ein Blick auf die glorreichen Drei: Struktur, Kommunikation und Klima. Denn unsere Teamstruktur, also die Art, wie wir uns im Team organisieren, der Fluss der Informationen, die Teamgröße etc., hat ebenso Einfluss auf unser mentales Wohlbefinden wie die Art, wie wir miteinander kommunizieren und die Werte, die wir in unserem Umgang pflegen. In unserer Arbeit erleben wir, wie hilfreich – und leider noch zu selten – der teaminterne Austausch über eben jene ‘Säulen’ guter Zusammenarbeit und Kooperation ist und wie viele Gestaltungsmöglichkeiten er ans Licht bringen kann.

Wenn ihr auf der Suche nach ein paar guten, ersten Strategien seid, mit denen ihr die mentale Gesundheit eurer Teams gerade in diesen Zeiten stärken könnt: Hang in there! Hier kommen unsere Top 3 für mehr Mental Health im Team:

Gerade jetzt mehr und besser kommunizieren

In Zeiten von Remote Work und Homeoffice gilt es ganz besonders, aber es ist auch sonst keine schlechte Idee: Die Kommunikation über das ‘Wie’ der Zusammenarbeit zu verbessern und zu verstetigen. Das heißt nicht, sich in zusätzlichen, endlosen Meetings zu verlieren, sondern ein paar Abmachungen im Team zu treffen, die entsprechend festgehalten werden. In unserer Arbeit mit Teams nutzen wir dafür, gerade in Remote Work Situationen, ein digitales Team Agreement, das dabei hilft, Eckdaten wie etwa die Kernarbeitszeit der Teammitglieder und ihre Erreichbarkeiten zu notieren. Neben diesen ‘Hard Facts’ kann es für das Team auch sehr hilfreich sein, über die private Situation des/der Kolleg:in bescheid zu wissen: Muss der- oder diejenige Kolleg:in Angehörige pflegen oder im Homeoffice ein Kleinkind betreuen? Darüber – sofern gewünscht – in den Austausch zu kommen und proaktiv nach Möglichkeiten der Entlastung zu suchen, kann dabei helfen, Frustrationen und Stress vorzubeugen.

Ein passendes Toolkit zusammenstellen

Wenn sich Teams mental gesünder aufstellen möchten, braucht es dafür zunächst einmal: Zeit und Commitment. Gesunde Gewohnheiten entstehen erst dann, wenn man sich im Team bewusst dafür entscheidet und sich Zeit einräumt, Neues auszuprobieren. Und dann geht es um die richtigen Tools: Regelmäßige Mindset-Check-Ins (nicht damit gemeint: die x-te Projektstatus-Abfrage) helfen allen, ein Gefühl für die Stimmung im Team zu bekommen. Dabei ist es wichtig, sich auch mal aus der eigenen Komfortzone zu wagen und sich für die richtige Methode zu entscheiden (wie das gelingen kann, dazu hier mehr). Neben den Check-Ins können wöchentliche Retrospektiven helfen, aus teaminternen Herausforderungen zu lernen. Wertschätzungsrunden sind eine gute Ergänzung, um gerade in diesen Zeiten den Blick auf Team-Ressourcen zu lenken und individuelle Kompetenzen hervorzuheben. Nicht unwesentlich dabei: Eine Methode auszuwählen, die jedem Teammitglied ein ähnliches Maß an Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Beanspruchung zumindest jetzt als Default-Modus ansehen

Wir leben und arbeiten inmitten einer globalen Pandemie, balancieren private und berufliche Verpflichtungen teils auf engstem Raum und müssen viele Unsicherheiten aushalten. Dies als Ausnahme-Situation anzuerkennen heißt auch, fest damit zu rechnen, dass es vielen Teammitgliedern gerade nicht so gut geht. Entsprechend ist es wichtig, ein psychologisch sicheres Arbeits- und Teamklima zu schaffen, in dem es möglich ist, auch über Beanspruchungen offen zu kommunizieren und sie frühzeitig anzumelden. Der Begriff ‘psychologische Sicherheit’ stammt aus der Forschung über organisationale Transformation, wurde durch die Studien von Amy Edmonson quantifiziert und beschreibt “[…] die gemeinsame Überzeugung aller Mitglieder eines Teams, dass es (innerhalb des Teams) sicher ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen.“ Um ein solches Klima zu kreieren, können oben genannte Tools helfen – besonders wichtig ist aber ein positives Führungsverhalten, das mit gutem Beispiel vorangeht. Teamleads und Manager:innen, die sich verletzlich zeigen und offen mit eigenen Belastungen umgehen, machen gerade jetzt präventives Handeln möglich.

 

Natürlich gibt es noch viel mehr Strategien, die Teams dabei unterstützen können, mental gesund durch diese herausfordernden Zeiten zu kommen. Ihr habt schon ein paar davon ausprobiert? Wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilt.